Grußwort

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Edendorfer,

der Angriffskrieg Putins auf die Ukraine hat Kräfte entfesselt, die man sich vorher nicht vorstellen konnte. Jedenfalls nicht in Europa. Europa jedoch erwacht und wird durch neue Einigkeit gestärkt.
Der Historiker Timothy Snyder hat in seinem Buch „Der Weg in die Unfreiheit: Russland, Europa, Amerika” schon 2018 Linien der Vergangenheit gezeichnet, die in das münden, was wir gerade erleben. Bei jedem Diktator läuft ein ideologisches Programm im Hintergrund ab. Timothy Snyder bemerkt dazu, dass dies bei Putin die Gedanken des russischen Philosophen Iwan Iljin sind. Der war lange in Russland unbekannt, weil seine faschistischen Ansichten vom Sowjet-Kommunismus nicht geduldet wurden. Die Gebeine Iljins sind 2005 nach Russland überführt worden. Der russische Präsident ehrt den „Heimgekommenen” durch regelmäßige Kranzniederlegungen.
Leider unterstützt die russisch-orthodoxe Kirche die menschenverachtende Politik Putins. Orthodoxe Kirchen sind stark nationalistisch geprägt. Die Formung einer einigen ukrainisch-orthodoxen Kirche und deren Anerkennung seit 2018 war für die russische Orthodoxie sicher eine herbe Ohrfeige, die bis heute nachwirkt. Was könnte man vom christlichen Glauben aus zu diesem und anderen Kriegen sagen? Neulich las ich an einer Haustür den Satz: „Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein.”
Wer die Botschaft Jesu ernst nimmt, wird diesen Satz uneingeschränkt unterschreiben können. Wenn Christen im Vaterunser beten „Dein Reich komme, dein Wille geschehe”, ist damit jede kriegerische Handlung ausgeschlossen, weil das Reich Gottes gleichbedeutend mit Frieden ist. Wenn Christen dennoch Krieg führen, haben sie kein Recht, dies in Gottes Namen zu tun. Sie müssen sich dafür eine andere Autorität suchen.
Wir können nicht absehen, welche Auswirkungen die durch den Ukraine-Krieg entfesselten Kräfte haben werden. Wir können dennoch zuversichtlich in die Zukunft gehen, wenn wir nicht auf Menschen, sondern auf Gott schauen. Karl Barth, ein bedeutender Theologe des vorigen Jahrhunderts, schrieb an seinem Lebensende: „Ja, die Welt ist dunkel… Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn  es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, sondern… hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her!”
Ich wünsche Ihnen in Verbindung mit diesem Blick die Freiheit der Kinder Gottes und eine segensreiche Sommerzeit.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Pastor